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Sa 29. Sep 2012, 19:09

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Die Zusammenstellung und Ordnung der sich aus dem Autismus ergebenden Symptome ist sehr mangelhaft, die zuständigen Ärzte überfordert, mit einer Autorität nur auf tönernen Füßen - die erhebliche Streubreite der Erscheinungsformen des Autismus macht einen verständigen Zugriff auf das Krankheitsbild schwierig.
Alle Menschen mit autistischem Einschlag haben gemein, daß sie quer und windschief zur Gefühlswelt der Neurotypischen, aber auch untereinander liegen. Darüber hinaus allerdings zerfallen Autisten im weiten Sinne in zwei Gruppen: Die gesellschaftlich Angesehenen und die gesellschaftlich Marginalisierten, die Alpha-Tiere und Omega-Außenseiter, die mit Selbstbewußtsein und die ohne. Ich behaupte: Es ist einfach, die Allermeisten der Autisten auf eine dieser Gruppen zu setzen. Es fehlen die mittleren Positionen im Umfeld.
Entscheidend für die Weichenstellung ist, daß sich positive Rückkoppelungskreisläufe im Bereich des Denkens als Ersatz für die Defizite im Fühlen bilden, daß die eigenen Gedanken des Kindes Sinn machen, daß die eigenen logischen Ableitungen vertrauenswürdig sind, daß man zum geachteten Experten wird. Das ist für Autisten noch viel entscheidender als für Neurotypische.
Daher nochmal hier als Hinweis: Generieren Sie durch Anhäufung entsprechender Artefakte zielgerichtet ein gesellschaftlich tatsächlich, letztendlich und wohlverstanden relevantes Hobby, besser zu verstehen als Interesse. Eisenbahnen sind das leider nicht.
Gesellschaftliche Akzeptanz stellt sich aus autistischer Perspektive vor Allem als Fähigkeit zum Einwirken dar. Die Vorstellung eigener Anpassung ist, wie allgemein bekannt, von der Anlage her zunächst nicht vorgesehen. Denn der Autist ringt einen Kampf. Entweder zwingt er aus starker Lage mit gesteigerter Intelligenz der Umwelt seinen Willen auf, oder er schleift sich mühsam hinkend durchs Leben. Die Aufgabenstellung gleicht beinahe einer Mathematikaufgabe, die entweder gelöst wird oder nicht.
Aber da zeigt sich gleich ein weiteres objektives Problem: Die Umwelt – außer vielleicht die Eltern – hat wohl kaum Interesse an einem potentiellen Diktator. Um dem entgegenzuwirken, sollten autistische Kinder daher für die Vorstellung sensibilisiert werden, grundsätzlich (!) verschiedene Perspektiven einzunehmen.
Drei Punkte sind die für die Fähigkeit zum gesellschaftlichen Einwirken entscheidend:

1. Die große Gefahr für Autisten, die gefährliche Abzweigung an der großen T-Kreuzung, ist eine verbaute Umwelt, eine verbaute Heimat. Wenn alle relevanten Funktionen der Gruppe besetzt sind und man als reiner Zusatz kommt, ist es ganz schlecht. Nach Außen wird zwar bürgerliche Liebe dokumentiert, nach innen aber verweigert, weil nicht oder kaum künstlich erzeugbar.
2. Neben den äußeren Rahmenbedingungen ist natürlich die Willenskraft für die Fähigkeit zum gesellschaftlichen Einwirken entscheidend. Problematisch ist der Umstand, wenn der Willen zwar groß, aber nicht groß genug ist, die enormen Hemmnisse zu meistern. Unter diesen Umständen - verbaute Heimat und starke Willenskraft – entsteht die bipolare Persönlichkeitsstörung, die ich seit Kurzem neben dem Autismus bei mir diagnostiziere.
Unter den schwierigen Lebensbedingungen leuchten ab und zu Möglichkeiten auf, die Probleme doch zu lösen – auf einen Schlag. Das Rechtsempfinden eines ungerecht Behandelten will bis zum Eintreffen der ersten Tranche immer Alles gleich. Nach Anfangserfolgen existieren für die folgenden Probleme dann aber keine Lösungsalgorythmen.
Eine verbaute Heimat – siehe die Palästinenser – erzeugt daher im Wechsel Allmachts- und Ohnmachtsgefühle.
3. Die Intelligenz als dritter Punkt ist in gewisser Hinsicht der Joker. Durch Willenskraft vorangetriebene Denkprozesse zeigen auch hier Wechselwirkungen. Es kommt ganz darauf an, die Energien der bipolaren Störung auf die innere Erkenntnis des Autismus zu lenken.
Ich liege teilweise stundenlang herum, um dann aufzuspringen und diesen Text zu schreiben.
Als ob ich ein elektrisches Werkzeug – eine Bohrmaschine – in der Hand habe, die jederzeit losgehen kann. Für mich heißt das: mir jederzeit bewußt zu sein, worauf es letztendlich wirklich ankommt – den Wesenskern am Ende doch zu erkennen ist ja eine Stärke von Autisten – und in dem Moment bereit zu sein, wenn die manische Welle kommt. Der große Druck der manischen Welle im verbauten Lebensraum erzeugt physikalisch andere Bedingungen, die ungewöhnliche Zusammenhänge mehr oder weniger stabil existieren lassen.
Die Energie ist möglicherweise groß genug, auch die autistischen Rahmenbedingungen aufzubiegen.
Mit den permanenten Enttäuschungen, bei den dahinterliegenden Problemen dann wieder gleich zu scheitern, habe ich zu meiner eigenen Überraschung zu leben gelernt.
Zeit meines Lebens sehe ich ein Licht am Ende des Tunnels. Es ist größer geworden, und es ist nicht die Grubenlampe des Viet Cong.



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